„Was kostet denn so eine Website?" — diese Frage bekomme ich fast jede Woche. Manchmal per Mail, manchmal am Telefon, manchmal auf einem Bier von jemandem, der gerade gründet. Und die ehrliche Antwort ist immer dieselbe: Es kommt darauf an. Was nicht zufällig die Antwort ist, die jeder gibt. Sie stimmt nur leider wirklich.
Trotzdem will ich dich nicht damit abspeisen. Wer ernsthaft überlegt, Geld in die Hand zu nehmen für eine Website, will wissen, ob er 500€, 5.000€ oder 50.000€ einplanen muss. Also versuche ich's hier so konkret wie möglich — mit dem Vorbehalt, dass jede Zahl, die du irgendwo liest (auch hier), erst eine Größenordnung ist, bis jemand deine genaue Situation kennt.
Es gibt keine einzelne Zahl, und wer dir eine nennt, ist nicht ganz ehrlich
Jede Agentur, jeder Freelancer, jeder Baukasten-Anbieter antwortet auf die Preisfrage anders — weil alle etwas anderes verkaufen. Ein 19€-Wix-Abo ist streng genommen „eine Website". Eine 80.000€-Custom-Plattform mit mehrsprachigem CMS, Buchungslogik und Anbindung an dein ERP ist auch „eine Website". Dazwischen liegt eine Spanne, die fast zwei Größenordnungen abdeckt.
Was den Preis tatsächlich macht, ist nicht „die Website" als Ding. Es sind ein paar Entscheidungen, die früh fallen:
- Custom Design oder Vorlage? Eine Vorlage kostet fast nichts. Etwas, das nur für deine Marke entworfen wurde, kostet die Zeit einer Person, die was von ihrem Handwerk versteht.
- Wer schreibt die Texte? Gute Texte sind der größte versteckte Kostenfaktor. Schlechte Texte sind gratis — und später der Hauptgrund, warum die Seite nicht funktioniert.
- Wie viele Seiten, wie viele Sprachen? Linearer Aufwand, ganz simpel.
- Brauchst du Funktionen oder nur Darstellung? Kontaktformular ist billig. Buchungssystem mit Verfügbarkeiten und Zahlungsanbindung ist ein eigenes Projekt.
- Wer pflegt die Seite danach? Ein CMS, das du selbst bedienen kannst, ist beim Bau teurer, spart später aber Geld.
Wenn du diese fünf Fragen für dein Projekt beantworten kannst, lässt sich der Preis auf wenige hundert Euro genau eingrenzen. Vorher nicht. Und genau deshalb fragen seriöse Anbieter nach einem ersten Gespräch, statt einfach eine Preisliste zu schicken.
Was eine Website grob kostet — als Größenordnung
Du willst trotzdem eine Zahl. Hier sind die Spannen, die ich am Markt typischerweise sehe, aufgeteilt nach dem, was du am Ende in der Hand hast. Behandle sie als Kompass, nicht als Angebot.
Landing Page: meist 500€ bis 1.500€
Eine einzelne Seite mit klarem Fokus — ein Produkt, eine Dienstleistung, eine Kampagne. Taucht auf, macht klar, was du anbietest, leitet Anfragen weiter. Passt zu Freiberuflern mit genau einem Service, zu Produkt-Launches, zu Nebenprojekten.
Typischerweise drin: responsives Layout, grundlegendes SEO, ein Kontaktformular, ein bis zwei Überarbeitungsrunden. Typischerweise nicht drin: Custom-Design jenseits einer sauberen Vorlage, eigenes Branding von Grund auf, mehrsprachige Varianten.
Business-Website: meist 2.000€ bis 8.000€
Die klassische Unternehmensseite mit fünf bis fünfzehn Unterseiten: Start, Über mich, Leistungen, Referenzen, Kontakt, dazu oft ein Blog. Das ist die Spanne, in der die meisten meiner Aufträge liegen, und es ist auch die Spanne, in der du am ehesten unterscheiden musst, wem du dein Geld gibst.
Der Unterschied zwischen 2.000€ und 8.000€ ist fast immer: Custom-Design vs. Vorlage, Qualität der Texte, ob ein CMS zum Selbstpflegen eingebaut ist, und wie viel strategische Vorarbeit (SEO, Conversion-Struktur, Klärung der Zielgruppe) im Preis enthalten ist. Ein 2.000€-Angebot und ein 8.000€-Angebot sehen von außen gleich aus. Sie sind es nicht.
Web-Applikation: meist 5.000€ bis 30.000€ und aufwärts
Alles, was über reine Darstellung hinausgeht: Online-Shops, Buchungssysteme, Kundenportale, interne Tools, Integrationen mit anderer Software. Hier wird es schwierig, eine Obergrenze zu nennen, weil die Komplexität nach oben offen ist.
Ab dieser Größenordnung solltest du nicht mehr von „einer Website" denken, sondern von „einem Softwareprojekt". Das bedeutet: andere Vertragstypen, längere Zeiträume, MVP-Phasen, laufende Wartung von Tag eins an.
Was den Preis wirklich treibt — die Posten, die niemand aufschreibt
Die meisten Angebote unterscheiden sich nicht im Stundenlohn, sondern darin, welche Posten überhaupt aufgeschrieben werden. Ein paar Dinge, die oft unterschätzt oder ganz vergessen werden:
Design-Entscheidungen. Jedes „kannst du das Logo noch etwas größer machen, und eigentlich eher ins Grünliche?" kostet Zeit. Wenn du weißt, was du willst, sparst du Geld. Wenn du erst im Prozess herausfindest, was du willst, ist das völlig in Ordnung — aber es ist der größte Hebel auf den Endpreis.
Mehrsprachigkeit. Eine DE/EN-Seite ist nicht 1× so teuer, sondern fast 2× — weil jeder Text zweimal geschrieben, jeder Slug gepflegt, jede Sprache getestet werden will. Plan das als eigenen Posten, nicht als „übersetzen wir eben schnell".
Inhalt. Wenn du deine Texte, Bilder und Referenzen schon hast — in einer Qualität, die veröffentlicht werden kann — sinkt der Preis drastisch. Wenn alles erst noch entstehen muss, durch dich, durch mich oder durch eine externe Texterin, wird es deutlich teurer. Der positive Nebeneffekt: Texte, die du selbst schreibst, sind oft besser als welche, die jemand für dich erfindet.
SEO, das tatsächlich etwas bringt. „SEO-optimiert" auf einem Angebot bedeutet nichts. Konkrete Keyword-Recherche, saubere Struktur, performante Implementierung, Schema-Markup — das ist eigenständige Arbeit, die seriöserweise als solche ausgewiesen wird.
Browser- und Gerätetest. Auf dem einen Angebot steht: „Funktioniert auf allen Geräten." Auf dem anderen steht: „Getestet auf iOS Safari, Firefox und Chrome in den letzten zwei Versionen, plus Edge." Letzteres ist teurer. Ersteres ist meistens gelogen.
Was nach dem Launch weiterläuft
Eine Website ist kein Kauf, sondern ein Kauf plus ein Abo. Die laufenden Kosten sind nicht optional:
| Kostenart | Pro Jahr, grob |
|---|---|
| Hosting | 50€ – 300€ (mehr bei hohem Traffic oder Managed Hosting) |
| Domain | 10€ – 30€ |
| Wartung (Updates, Backups, kleine Anpassungen) | 300€ – 1.200€ |
| SSL-Zertifikat | Meist inklusive, selten extra |
Zusammen sind das 360€ bis 1.500€ pro Jahr, die du einplanen musst, auch wenn am Anfang keiner danach fragt. Eine Seite, die niemand pflegt, verrottet leise — und dann wird der nächste Relaunch plötzlich dringend.
Warum 500€ am Ende oft 2.000€ kosten
Der häufigste Weg zu einer überteuerten Website führt über den billigsten Anbieter. Das klingt zynisch, ist aber die Geschichte, die ich in den letzten Jahren mehrfach gehört habe: Cousin der Freundin, Bekannter vom Sportverein, Fiverr-Paket für 200€. Drei Monate später funktioniert das Kontaktformular nicht, die Seite lädt langsam, und bei der ersten kleinen Änderung meldet sich niemand mehr.
Dann kommt jemand wie ich und darf aufräumen. Aufräumen kostet fast immer mehr, als gleich ordentlich gebaut hätte. Das ist kein Argument dafür, das Teuerste zu kaufen. Es ist ein Argument dafür, ehrlich einzupreisen, was du wirklich brauchst — und nicht das Billigste zu holen, weil der Preis schön aussah.
Eine gute Website ist kein Kostenfaktor, den man minimiert. Sie ist ein Werkzeug, das Anfragen, Vertrauen und Aufträge bringen soll. Wenn sie das nicht tut, war sie egal wie billig zu teuer.
Wann sich eine Website rechnerisch lohnt
Das ist die Frage, die eigentlich hinter der Preisfrage steht: zahlt sich das aus?
Meine ehrliche Antwort: für die meisten kleinen Unternehmen ja, aber nicht sofort und nicht von alleine. Eine gut gebaute Website ist kein Geldautomat, sondern die Voraussetzung dafür, dass überhaupt Anfragen hereinkommen können. Ob sie kommen, hängt davon ab, ob jemand sie findet (dafür ist die SEO-Arbeit), ob sie nach dem Klick vertrauenswürdig wirkt (dafür sind Design und Inhalt), und ob du am Ende auf die Anfragen reagierst (dafür bist du zuständig).
Wenn du monatlich zwei oder drei zusätzliche Anfragen über die Website gewinnst, die du sonst nicht bekommen hättest, hat sich eine 4.000€-Seite innerhalb eines Jahres bezahlt gemacht. Ob du diese zwei bis drei Anfragen erreichst, hängt aber davon ab, ob du die Seite nicht nur bauen lässt, sondern auch füllst, pflegst und bewirbst.
Wer dir das Gegenteil verspricht — „Website bauen, dann kommen die Kunden von allein" — verkauft dir was. Der realistische Weg sieht anders aus, ist aber einer, den man planen kann.
