Eine Website wird selten an einem bestimmten Tag fertig. Sie altert — leise, meistens. Irgendwann fragt sich jemand im Team: „Müssen wir das mal neu machen?" Und dann kommt häufig eine der zwei falschen Antworten: „Ach, die alte geht noch" oder „Mach mal komplett neu, aber schnell und billig."

Beide Antworten kosten am Ende Geld. Ein Relaunch ist eine Investition, die sich nur lohnt, wenn du weißt, warum du sie machst. Hier sind die Signale, die für mich aus der Arbeit mit Kunden wirklich zählen.

Die Signale, die etwas bedeuten

Deine Website lädt auf dem Handy langsam

Das ist das klarste Signal. Über die Hälfte deiner Besucher kommt mobil. Wenn deine Seite dort drei, vier, fünf Sekunden lädt, springen die meisten ab — lange bevor sie etwas gelesen haben. Google rankt langsame Seiten seit Jahren spürbar schlechter, und das wird nicht besser.

Wenn du es genauer wissen willst: PageSpeed Insights von Google zeigt dir kostenlos, wo deine Seite steht. Eine Mobile-Bewertung deutlich unter 70 ist ein Warnsignal. Deutlich unter 50 ist ein Notfall.

Sie funktioniert auf dem Handy nicht richtig

Noch schlimmer als langsam: Texte, die man nicht lesen kann ohne zoomen. Buttons, die zu klein sind für einen Finger. Menüs, die sich nicht öffnen lassen. Eine Kontaktseite, bei der das Formular auf iOS verschwindet.

Das ist nicht nur peinlich, es kostet dich Kunden. Wer auf dem Handy keine Anfrage losschicken kann, schickt sie auch nicht vom Laptop aus — er geht zum nächsten Anbieter.

Sie sieht aus wie 2018

Design-Trends kommen und gehen, und das ist in Ordnung. Aber eine Website, die nach einem bestimmten Jahrzehnt aussieht, wirkt auf Kunden wie ein Geschäft, in dem der Kalender an der Wand stehen geblieben ist. Die Frage ist nicht: „Ist das noch modern?" Die Frage ist: „Wirkt das, als würde sich hier noch jemand drum kümmern?"

Wenn die Antwort nein ist, verlierst du Vertrauen, bevor du überhaupt die Chance hast, es zu gewinnen.

Du kannst sie selbst nicht mehr pflegen

Eine der teuersten Fallen: Eine Website, die nur eine einzige Person ändern kann — und die vielleicht nicht mehr im Unternehmen ist, nicht mehr erreichbar ist, oder deren Stundensatz mittlerweile bei 120€ liegt für eine Textänderung.

Wenn jede kleine Anfrage zu einem Projektauftrag wird, passiert irgendwann gar nichts mehr. Die Seite veraltet, schneller als nötig. Ein Relaunch mit einem CMS, das du selbst bedienen kannst, holt dich da heraus.

Sie taucht bei Google nicht mehr auf

Früher hattest du Anfragen über die Website. Jetzt weniger. Bevor du vermutest, „die Branche ändert sich" oder „die Kunden kommen woanders her": Prüf, ob deine Website überhaupt noch gefunden wird. Google Search Console zeigt dir, für welche Suchanfragen du auftauchst und wie oft angeklickt wirst. Wenn die Kurve über die letzten zwei Jahre stetig nach unten geht, hat das selten mit der Branche zu tun.

Sie spiegelt nicht mehr wider, was du eigentlich machst

Du hast neue Leistungen aufgenommen, alte gestrichen, dein Team hat sich verändert, dein Fokus hat sich verschoben — und auf der Website steht noch alles aus 2019. Das ist nicht nur ungenau, es ist eine verpasste Gelegenheit. Deine Website ist der erste Eindruck für viele Kunden. Wenn der erste Eindruck lügt, was glauben sie dir dann noch?

Es gibt immer wieder kleine technische Probleme

Defekte Links. Formulare, die manchmal nicht ankommen. Sicherheitswarnungen im Browser. Veraltete Plugins, die sich nicht updaten lassen. Einzelne gesehen, kleine Dinge. Zusammen genommen: ein Zeichen dafür, dass das Fundament brüchig ist. Irgendwann kommt die große Rechnung — meistens als Abmahnung oder als gehackte Seite.

Was ein Relaunch nicht löst

Genau so wichtig: Ein Relaunch ist kein Wundermittel für alles.

Er löst kein Marketing-Problem. Wenn niemand weiß, dass du existierst, hilft dir auch die schönste Website nicht. Eine neue Seite allein bringt dir keine neuen Kunden — sie macht es nur leichter für die, die dich ohnehin finden.

Er löst kein Preisproblem. Wenn du zu billig bist, wird eine neue Website das nicht ändern. Oft ist es eher umgekehrt: Eine professionelle Website gibt dir überhaupt erst das Vertrauen, deine Preise zu rechtfertigen.

Er löst kein kaputtes Produkt. Wenn dein Angebot nicht stimmt, macht eine bessere Verpackung es nicht besser. Erst das Angebot, dann die Website.

Ein Relaunch lohnt sich, wenn die Website das Wachstum aktiv bremst. Wenn sie nicht das Problem ist, löst sie auch nicht das Problem.

Wie ein Relaunch wirklich abläuft

Ich mach das regelmäßig, und hier ist die Version, die ich für ehrlich halte — nicht die Checkliste mit den acht sauberen Schritten, die jede Agentur auf ihrer Website hat.

Erst reden, dann bauen. Bevor jemand ein Design öffnet, klären wir: Was willst du erreichen? Wer sind deine Kunden? Was funktioniert an der alten Seite, was nicht? Was sind die drei wichtigsten Anfragen, die über die Seite kommen sollen? Ohne diese Fragen ist jeder Relaunch ein Glücksspiel.

Inhalt vor Form. Die meisten denken beim Relaunch ans Design. Ich denk zuerst ans Inhaltskonzept: Welche Seiten brauchst du, was steht darauf, in welcher Reihenfolge. Gutes Design löst ein Inhaltsproblem nicht — es macht es nur schöner.

Design als Antwort, nicht als Geschmack. Design-Entscheidungen sollten aus dem Inhalt und den Anforderungen kommen, nicht aus „mir gefällt Blau". Wer den Prozess so anlegt, streitet am Ende weniger über Geschmäcker und mehr über Funktion.

Bauen, testen, korrigieren. Dann kommt die eigentliche Umsetzung. Responsiv, schnell, sauber getestet auf echten Geräten — nicht nur auf dem MacBook des Entwicklers.

Launch ohne Drama. Eine 301-Redirect-Struktur, damit alte Links nicht ins Leere laufen. Sitemaps bei Google neu einreichen. Eine Woche nach dem Launch prüfen, ob alles ankommt, was ankommen soll. Die meisten Relaunche scheitern nicht am Design, sondern an diesen Details.

Danach geht's weiter. Ein Relaunch ist ein Startpunkt, kein Abschluss. Wer die Seite danach sich selbst überlässt, hat in drei Jahren das gleiche Problem wieder. Wartung, kleine Updates, ab und zu neue Inhalte — das ist der normale Betrieb einer Website, die funktionieren soll.

Was ein Relaunch kostet

Hier wird es schwierig, eine allgemeine Antwort zu geben — weil es darauf ankommt, was du vorher hattest und was du danach haben willst. Ein Relaunch einer kleinen fünfseitigen Unternehmenswebsite bewegt sich meist zwischen 3.000€ und 8.000€, je nachdem, wie viel davon neu geschrieben wird, wie viel Custom-Design, wie viele Funktionen.

Ein Relaunch, der gleichzeitig eine neue Marke, ein neues CMS und neue Funktionen einführt, wird schnell fünfstellig. Mehr dazu im Artikel über Website-Kosten.

Die Faustregel, die ich Kunden gebe: Plan den doppelten Betrag, den du dir zuerst vorstellst. Nicht, weil Entwickler dich abkassieren wollen, sondern weil im Prozess fast immer Dinge auftauchen, die vorher niemand bedacht hat — und die dann wichtig werden.

Der richtige Zeitpunkt

Die kurze Antwort: bevor es wehtut. Wer einen Relaunch auf den Zeitpunkt „wir müssen jetzt sofort" schiebt, hat schon zu lange gewartet und zahlt den Aufpreis für Eile. Wer ihn plant, wenn die alte Seite noch funktioniert, aber die ersten Signale zeigt, bekommt Zeit, Vergleichbarkeit und ein Ergebnis, das wirklich passt.

Drei bis vier Jahre ist für die meisten Unternehmens-Websites ein sinnvoller Zyklus. Manche halten länger, wenn sie gepflegt werden. Manche brauchen kürzer, wenn sich das Business schnell ändert. Die Frage ist nicht: „Wie alt ist die Seite?" Die Frage ist: „Arbeitet sie noch für mich?"