Die Website ist online. Alle freuen sich. Der Entwickler schickt die letzte Rechnung. Und dann? Stille.

Sechs Monate später ruft der Kunde an: „Das Kontaktformular geht nicht mehr." Oder: „Die Seite lädt ewig." Oder schlimmer: „Wir wurden gehackt."

Das ist der Moment, in dem die meisten merken: Eine Website ist kein Kauf, der erledigt ist. Sie ist ein System, das Pflege braucht. Wie ein Auto. Oder ein Haus. Wer das ignoriert, zahlt später den doppelten Preis.

Was Wartung eigentlich bedeutet — und was nicht

Wenn Agenturen „Wartung" verkaufen, meinen sie oft ein Paket: Updates einspielen, Backups ziehen, Sicherheits-Scan, monatlicher Report. Das ist okay, soweit es geht. Aber es ist nur die halbe Wahrheit.

Echte Wartung, die eine Website am Laufen hält, hat drei Ebenen:

Technische Ebene (das, was die meisten meinen). CMS-Updates, Plugin-Updates, PHP-Versionen, SSL-Zertifikate, Server-Patches. Das ist Handwerk. Es muss regelmäßig passieren, automatisiert oder manuell. Wenn du es vergisst, wird die Seite unsicher oder bricht bei der nächsten Browser-Version.

Inhaltliche Ebene (die oft vergessen wird). Neue Referenzen, aktualisierte Öffnungszeiten, geänderte Preise, neue Team-Mitglieder, Blog-Artikel, die zeigen: Hier ist jemand aktiv. Google und Besucher honorieren Frische. Eine Seite, die seit zwei Jahren unverändert ist, wirkt tot — auch wenn sie technisch läuft.

Strategische Ebene (die niemand verkauft, aber alle brauchen). Funktionieren die Formulare noch? Kommen die Anfragen an der richtigen E-Mail an? Lädt die Seite auf dem neuen iPhone noch schnell? Ranken wir noch für die wichtigen Keywords? Das ist keine „Wartung" im klassischen Sinne — aber es entscheidet, ob die Website ihren Job macht.

Was du wirklich brauchst — und was du dir sparen kannst

Brauchst du einen Wartungsvertrag?

Wenn du ein CMS nutzt (WordPress, Webflow, Kirby, Statamic…): Ja, irgendjemand muss Updates machen. Das kannst du selbst, ein Mitarbeiter, oder du zahlst jemanden. Es gibt kein „läuft von allein".

Wenn du eine statische Seite hast (Astro, Next.js statisch, Hugo…): Technische Updates sind selten. Kein CMS, keine Plugins, keine Datenbank. Du musst dich um Hosting, SSL und Domains kümmern — aber das war's weitgehend. Das ist ein Grund, warum ich für viele Kunden statisch baue: weniger laufender Aufwand.

Was ein fairer Wartungsvertrag enthält

  • Updates (CMS, Plugins, Theme) — zeitnah nach Erscheinen, getestet auf Staging
  • Backups — täglich, automatisiert, an einem zweiten Ort gespeichert, testweise wiederherstellbar
  • Monitoring — Uptime-Check, Ladezeit-Check, SSL-Check — mit Alarm, nicht nur monatlichem PDF-Report
  • Sicherheit — Malware-Scan, Firewall-Regeln, harte Passwörter, 2FA für Admin-Zugänge
  • Kleine Anpassungen — Textänderungen, Bildertausch, Öffnungszeiten — innerhalb eines definierten Kontingents (z. B. 30 Min/Monat) inklusive

Was du nicht brauchst

  • Monatliche SEO-Reports, die nur Daten zeigen, die du in der Search Console selbst siehst.
  • „Performance-Optimierung", die alle drei Monate dieselben Bildkompressionen durchlaufen lässt.
  • Stundenpakete, die verfallen, wenn du sie nicht nutzt — das ist Geldverbrennung.
  • Exklusivität, die dich zwingt, jede Kleinigkeit über den selben Anbieter laufen zu lassen.

Wie du es fair einpreist

Mein Modell: Pauschale für das, was planbar ist. Stundenbasis für das, was nicht planbar ist.

  • Technische Updates, Backups, Monitoring → Pauschale pro Monat (z. B. 50–150€, je nach Komplexität).
  • Content-Änderungen, neue Seiten, Funktionserweiterungen → Stundenbasis, nach Aufwand abgerechnet.

So zahlst du nicht für Luft, aber du hast auch keine Überraschung, wenn das große WordPress-Update mal wieder ein Plugin zerlegt.

Was du selbst machen kannst — und wo du Profis brauchst

Selbst machen (wenn du 15 Min/Monat investierst):

  • Inhalte pflegen (Texte, Bilder, Referenzen)
  • Google Business Profile aktualisieren
  • Formulare testen (einmal im Quartal selbst eine Test-Anfrage schicken)
  • Search Console checken (Fehler, Indexierung, Core Web Vitals)

Profis ranlassen:

  • CMS/Plugin-Updates, die Layouts brechen können
  • Server-Konfiguration, PHP-Versionen, Caching
  • Sicherheitsvorfälle (Hack, Malware, Defacement)
  • Große Umzüge (Hosting-Wechsel, Domain-Wechsel, Relaunch)

Der ehrliche Rat

Wenn du mich fragst: „Brauche ich einen Wartungsvertrag?" — meine Antwort: Kommt drauf an.

  • Statische Seite, wenig Änderungen, technisch fit? Mach die Basics selbst (Backups, Monitoring, SSL), zahl nur im Bedarfsfall Stunden.
  • WordPress mit vielen Plugins, regelmäßig Content, keine Zeit/Interesse an Technik? Ein fairer Pauschalvertrag spart dir Nerven und Notfallkosten.
  • Irgendwo dazwischen? Sprich mit jemandem, der dir nicht direkt ein 200€/Monat-Paket andrehen will.

Ich biete beides an: Stundenbasis für die, die selbst können. Pauschale für die, die Ruhe wollen. Und ich sag dir vorab, was für deine Seite Sinn macht — nicht was meinen Umsatz maximiert.

Die Website ist live. Der eigentliche Job fängt jetzt an.