Ich arbeite viel mit Handwerkern — Elektriker, Tischler, Sanitärbetriebe, kleine Bauunternehmen. Wenn die mich anrufen, ist die Ausgangslage fast immer dieselbe: genug Aufträge, aber die Anfragen kommen über Mundpropaganda, über Empfehlungen, über den Kumpel vom Sportverein. Funktioniert — bis es mal nicht funktioniert. Jemand geht in Rente, jemand zieht weg, und plötzlich fehlt der Zufluss.
Dann kommt die Frage nach der Website. Und ehrlich: Die meisten Handwerker brauchen eine, aber nicht aus den Gründen, die ihnen Agenturen erzählen.
Warum Handwerker eine Website brauchen — und warum nicht
Die typische Verkaufsargumentation lautet: „97% der Deutschen suchen online nach lokalen Dienstleistern" — irgendeine Zahl in der Richtung, gewürfelt mit Prozentsätzen, die sich gut anhören. Ich zitiere solche Zahlen nicht mehr, weil ich nicht nachgeprüft habe, ob sie stimmen, und du es auch nicht kannst.
Was ich aus eigener Erfahrung sagen kann: Wenn jemand in deiner Gegend einen Elektriker braucht, googelt er. Wenn du dort nicht auftauchst, ruft er den nächsten an, der auftaucht. Das ist kein Statistikproblem, das ist ein Sichtbarkeitsproblem. Und es lässt sich lösen, ohne dass du dafür eine sechsstellige Website brauchst.
Die andere Seite: Eine Website ist nicht die Lösung für jeden Handwerker. Wenn du so viele Aufträge hast, dass du sie nicht bedienen kannst, brauchst du keine Website, die dich noch sichtbarer macht. Du brauchst entweder mehr Personal oder höhere Preise. Eine Website löst kein Kapazitätsproblem.
Aber wenn du zumindest gelegentlich neue Anfragen brauchst — und die meisten Handwerker wollen genau das —, ist eine gute Website das beste Werkzeug, das du für wenig Geld haben kannst.
Was auf eine Handwerker-Website wirklich gehört
Hier ist die Version, die ich aus der Arbeit mit Handwerkern gelernt habe, nicht die Checkliste aus dem nächsten Baukasten-Angebot.
Deine Telefonnummer, groß, oben, auf jeder Seite. Das ist das Wichtigste. Die meisten deiner potenziellen Kunden sind mit dem Handy unterwegs, haben eine Frage und wollen anrufen. Wenn sie dafür erst durch ein Menü navigieren müssen, sind sie weg. Ein anklickbarer „Anrufen"-Button oben rechts, gut sichtbar — das ist nicht verhandelbar.
Fotos von echter Arbeit. Nicht Stockfotos. Ein unscharfes Foto von einer Treppe, die du selbst gebaut hast, schlägt jede professionelle Aufnahme einer Treppe aus einer Bildagentur. Kunden wollen sehen, was du kannst — und zwar das, was du wirklich kannst, nicht das, was sich jemand ausgedacht hat. Mach drei, vier Bilder pro Projekt, mit Datum dran, fertig. Das ist mehr Inhalt als 90% der Handwerker-Websites da draußen.
Eine klare Liste deiner Leistungen. „Wir bieten individuelle Lösungen" bedeutet nichts. „Renovierung, Trockenbau, Malerarbeiten, Notdienst Wasserschäden" bedeutet etwas. Sei konkret. Wenn du etwas nicht anbietest, schreib das rein — das spart Anfragen, die du ohnehin abgewiesen hättest.
Dein Einzugsgebiet. „Berlin und Umgebung" ist gut. „Berlin, Potsdam, Bernau" ist besser. Kunden suchen mit Ortsnamen, und wenn ihr Ort auf deiner Seite steht, hilft das nicht nur Besuchern, sondern auch Google.
Ein kurzer Text über dich und deinen Betrieb. Wer du bist, seit wann du das machst, ob du einen Gesellen oder Azubi hast, ob du Mitglied in einer Innung bist. Kurz genug, dass man es liest. Persönlich genug, dass es nicht wie von einer Agentur klingt.
Referenzen und Bewertungen. Wenn du zufriedene Kunden hast (und das hast du, sonst wärst du nicht so lange im Geschäft), frag drei, vier davon, ob du ihre Aussage kurz auf die Website setzen darfst. Mit Namen, mit Beruf, wenn möglich mit Foto vom fertigen Projekt. Eine echte Referenz schlägt zehn erfundene.
Impressum und Datenschutz. Pflicht, nicht verhandelbar. Wenn du das nicht hast, kannst du abgemahnt werden. Jede seriöse Vereinbarung für den Website-Bau schließt das ein.
Was du nicht brauchst
Mindestens genauso wichtig. Einiges, was Handwerkern oft als „unverzichtbar" verkauft wird, ist für die meisten Betriebe Geldverschwendung:
Einen Blog, den niemand schreibt. Wenn du nicht wirklich vorhast, alle vier bis acht Wochen etwas zu schreiben, lass es. Ein Blog, der seit 2021 nicht aktualisiert wurde, wirkt schlimmer als gar keiner.
Einen Online-Preisrechner. Klingt clever, funktioniert fast nie, weil jeder Handwerksauftrag individuell ist. Kunden, die einen Preisrechner bedienen, sind meistens die falschen Kunden — die, die nur nach dem Billigsten suchen.
Eine teure High-End-Animation oder einen Video-Hintergrund. Lädt langsam, kostet Geld, niemand wartet darauf. Nüchtern gewonnen.
Drei Sprachen, wenn deine Kunden deutsch sprechen. Eine englische Version einer Tischler-Website in Bayern ist fast immer Overengineering. Außer du arbeitest tatsächlich für internationale Kunden.
Eine App. Ernsthaft. Das wurde mir schon mit geradem Gesicht vorgeschlagen. Eine Handwerker-App, die niemand herunterlädt. Nein.
Das, was wirklich Aufträge bringt: lokales SEO
Hier ist der Teil, den die meisten Handwerker unterschätzen. Eine Website allein bringt dir keine Kunden — sie muss gefunden werden. Für Handwerker heißt das fast immer: lokal gesucht werden.
Wenn jemand „Elektriker Freiburg" googelt, willst du auf der ersten Seite stehen. Das ist kein Hexenwerk, aber es ist auch kein einmaliges Aufsetzen. Dafür brauchst du:
- Ein Google Unternehmensprofil (früher Google My Business), vollständig ausgefüllt, mit Fotos, Öffnungszeiten und regelmäßigen Updates. Das ist der wichtigste einzelne Hebel für Handwerker.
- Konsistente Kontaktdaten überall — dieselbe Adresse, dieselbe Telefonnummer, auf deiner Website, auf Google, in Branchenverzeichnissen.
- Kundenbewertungen, die du proaktiv einholst. Frag deine zufriedenen Kunden nach jedem Auftrag, ob sie eine kurze Bewertung schreiben wollen. Das summiert sich.
- Lokale Begriffe auf deiner Website — dein Ort, dein Einzugsgebiet, die Dienstleistungen, die du anbietest, natürlich in den Texten verwendet, nicht als Keyword-Wurst.
Da geht noch mehr — Backlinks, strukturierte Daten, Ladezeiten. Wenn du das vertiefen willst, hab ich dazu einen eigenen Artikel über lokales SEO geschrieben.
Was eine Handwerker-Website kostet
Für die meisten Handwerker reicht eine solide Business-Website mit fünf bis sieben Seiten — Start, Leistungen, Referenzen, Über uns, Kontakt, plus Impressum und Datenschutz. Das bewegt sich typischerweise im Rahmen von 2.000€ bis 5.000€, je nachdem, wie viel du selbst beisteuerst (Texte, Fotos) und wie viel Custom-Design du willst.
Mehr dazu hab ich in einem eigenen Artikel aufgeschrieben: Was eine Website kostet.
Wichtig: Die Website ist nicht der Endpunkt, sondern der Start. Wer sie bauen lässt und dann nie wieder reinschaut, wird enttäuscht sein. Wer sie pflegt, Fotos von neuen Projekten reinpackt, ab und zu eine Referenz ergänzt — der merkt nach einem Jahr, woher die Anfragen kommen.
